Herkunft
und Name gehören zum Wesentlichen, auch bei einer Schule. Anders als die berufsfeldorientierten
Fachoberschulen an Oberstufenzentren ist die Kläre-Bloch-Schule, die lange zur
Volkshochschule gehörte, eine Weiterbildungseinrichtung für verschiedene
Berufsgruppen. Als selbstständige Fachoberschule (seit 2004 auch Berufsoberschule)
mit drei Fachrichtungen, die den Studienrichtungen der Hochschulen/Fachhochschulen
weitgehend entsprechen, ist sie einzigartig in Berlin und unseres Wissens auch
in Deutschland.
Neben
fachlicher Qualifikation und der Vermittlung humanitärer sowie demokratischer
Werte soll den Schülerinnen und Schülern eine mitmenschliche Haltung vermittelt
werden. Für sie steht unser Schulname. Kläre Bloch bewies als einfache Frau Mut
in der Zeit des Nationalsozialismus. Sie hat unter Einsatz ihres Lebens
Menschen gerettet. Werte wie Leben, Freiheit, Courage und Toleranz, die z. B.
von Kant, Goethe, Schiller und Heine vertreten wurden, hatten für die
Charlottenburgerin praktische Gültigkeit, während sie von vielen gebildeten
Zeitgenossen verraten wurden. Ihr Mut,
aber auch ihre praktisch-zupackende, humorvolle und optimistische
Lebenseinstellung sollen an unserer Schule Vorbild sein.
Die
Kläre-Bloch-Schule bietet zwei studienbefähigende Bildungsgänge an: die
Fachoberschule (FOS, Dauer zwei Jahre) mit dem Abschluss der allgemeinen
Fachhochschulreife und die Berufsoberschule (BOS, Dauer drei Jahre) mit den
Abschlüssen allgemeine bzw. fachgebundene Hochschulreife. Voraussetzungen für
einen Schulbesuch sind der mittlere Schulabschluss sowie eine abgeschlossene
Berufsausbildung bzw. eine fünfjährige einschlägige Berufstätigkeit. Die
jeweilige Berufsausbildung bestimmt die Fachrichtung, in die die Schülerinnen
und Schüler aufgenommen werden, und damit den fachlichen Schwerpunkt von vier bis
sechs Semesterwochenstunden. Wer z. B. eine Ausbildung im Bereich Wirtschaft
hat, vertieft dieses Wissen in den Fächern Wirtschaftswissenschaft und Rechtskunde.
Den größten Teil der Ausbildung stellen jedoch die allgemeinbildenden Fächer
Deutsch, Englisch, Mathematik, Sozialkunde sowie eine Naturwissenschaft (z. B. Biologie)
dar.
Die
allgemeine Fachhochschulreife berechtigt – unabhängig von der absolvierten
Fachrichtung – zu einem Studium an allen Hochschulen/Fachhochschulen sowie in
ausgewählten Studiengängen an Universitäten. Die allgemeine Hochschulreife (mit
2. Fremdsprache, an der Kläre-Bloch-Schule Spanisch) befähigt zum Studium aller
Studiengänge an den Universitäten. Die fachgebundene Hochschulreife (ohne 2.
Fremdsprache) berechtigt, je nach Richtung der Berufsausbildung, zum Studium ausgewählter
Fächer an Universitäten.
Wer bereits die Fachhochschulreife erworben hat,
kann direkt ins 13. Schuljahr der Berufsoberschule (BOS) einsteigen – an der
Kläre-Bloch-Schule jedes Jahr im Januar – und dann nach drei Semestern die
Abiturprüfung absolvieren.
3.3
Schülerinnen und Schüler
Die
Schülerinnen und Schüler der Kläre-Bloch-Schule kommen aus den
unterschiedlichsten Berufen. Wenn sie sich bei uns bewerben, müssen sie bereit
sein, an drei bzw. vier Abenden zur Schule zu gehen. Konkret heißt das für die
meisten, einen langen Arbeitstag zu bewältigen, denn sie stehen in der Regel
früh auf, haben häufig lange Anfahrtswege zur Arbeit, müssen am Spätnachmittag
zur Schule fahren und abschließend wieder einen langen Heimweg antreten.
Von
den ca. 500 Schülerinnen und Schülern sind ungefähr 60 % weiblich, 40 %
männlich. Der Altersdurchschnitt beträgt 25 Jahre. Je nach Berufsfeld stehen
ihnen drei Fachrichtungen zur Auswahl: Wirtschaft und Verwaltung, Technik sowie
Sozialwesen. Um unseren Schülerinnen und Schülern eine bestmögliche Vereinbarkeit
von Beruf, zum Teil Familienpflichten und dem Schulbesuch zu ermöglichen,
bieten wir ihnen unterschiedliche Anfangszeiten an.
Was
sind für unsere Schülerinnen und Schüler die wesentlichen Gründe, neben dem
Beruf auch wieder zur Schule zu gehen und sich damit einer zwei- oder
dreijährigen Stressphase auszusetzen? Am häufigsten wird der Wunsch nach einem
anschließenden Studium geäußert. Andere erhoffen sich größere Aufstiegschancen
durch die Zusatzqualifikation der Fachhochschulreife oder des Abiturs. Diese
Entscheidung bedeutet für sie in der Regel eine Doppelbelastung; wenn sie
bereits Familie haben, sogar eine Dreifachbelastung.
Von
den Lehrerinnen und Lehrern ist deshalb Flexibilität gefordert: Sie müssen
einerseits versuchen, an die unterschiedlichen Berufserfahrungen der Schülerinnen
und Schüler anzuknüpfen und ihnen die Chance geben, viel von ihrem Vorwissen
einzubringen. Andererseits gilt es, die Kräfte der Schülerinnen und Schüler
nach einem langen Arbeitstag neu zu mobilisieren, vor allem, wenn es darum
geht, ihnen neuen Stoff zu vermitteln. Soweit es geht, versuchen deshalb die
Lehrerinnen und Lehrer Interesse und Motivation durch interessante Projekte, aktivierende
Arbeitsweisen und Fragestellungen zu wecken. Da die Schülerinnen und Schüler
jedoch nicht selten an die Grenzen ihrer Belastbarkeit stoßen, ist es in einem
besonderen Maße die Aufgabe der Lehrkräfte, zum Durchhalten zu motivieren; dazu
gehört auch, deren nicht seltenem Wunsch nach fertig ausgearbeiteten
Materialien nicht nachzugeben, sondern eventueller Müdigkeit oder Passivität
gerade durch eigenständiges Arbeiten entgegenzuwirken. Andere Schülerinnen und
Schüler wiederum sind selbstbewusst und durch ihre Berufstätigkeit daran
gewöhnt, selbstständig und eigenverantwortlich zu arbeiten; ein partnerschaftlich-kooperativer
Unterrichtsstil entspricht auch hier am besten den berechtigten Erwartungen der
Schülerinnen und Schüler.
Obwohl es den Schülerinnen und Schülern aufgrund
ihrer hohen Belastung nicht leicht fällt, zusätzliche Termine z. B. als
Schülersprecher auf Konferenzen wahrzunehmen oder Aufgaben in der Schülerselbstverwaltung
zu übernehmen, gibt es immer Einzelne oder Gruppen, die sich mit Diskussionen,
Kritik und Vorschlägen für die Verbesserung des Angebots der Schule engagieren.
In der Regel sind es die Klassensprecherinnen und Klassensprecher, die den
jährlich stattfindenden Abschlussball der Schule organisieren. Auf den
Informationsveranstaltungen der Schule sind sie eingeladen, ihre Erfahrungen
weiterzugeben und für die aktive Mitarbeit durch Schülerinnen und Schüler zu
werben.
3.4
Schulorganisation, Kollegium, Steuergruppe, Leitung
Als
kleine Schule, in der alle Kolleginnen und Kollegen ständig persönlich in
Kontakt stehen, können wir den Grundsatz „so wenig Bürokratie wie möglich, so
viel wie zum Funktionieren nötig" umsetzen.
Maßstab
ist die Situation des berufstätigen Erwachsenen. Ihm dient auch der variable
Unterrichtsbeginn. Die Schülerinnen und Schüler der Fachoberschule können sich
eine Klasse wählen, deren Unterrichtstage und –zeit mit ihren
Berufsarbeitszeiten gut verträglich ist. Der Unterricht verteilt sich auf drei
bzw. vier Abende (Beginn: 17.00, 17.45 oder 18.35 Uhr). In der Berufsoberschule
ist die Wahlmöglichkeit aufgrund der relativ hohen Stundenzahl pro Woche
gering, der Unterricht beginnt um 17.00 Uhr und verteilt sich auf vier Abende
in der Woche. Für alle Klassen endet der Unterricht spätestens um 21.45 Uhr.
Die
Steuergruppe initiiert und diskutiert die Entwicklungsschwerpunkte der Schule.
Sie plant und koordiniert die Evaluationsmaßnahmen und trägt Ergebnisse und
Vorschläge in die Gremien. In der Steuergruppe arbeiten Lehrerinnen und Lehrer
aus allen Fachbereichen und die Schulleitung zusammen.
Die Fachbereichsleiterinnen bzw. Fachleiterinnen
sind neben der fachlichen Arbeit für einen Teil der Schulleitungsaufgaben
zuständig und vertreten die Schulleiterin, wenn diese verhindert ist. Zusammen
mit dem Sekretariat bilden sie die Schulleitung.