Schulprogramm

 

3.  Erwachsenenbildung am Abend-schulspezifische Besonderheiten


3.1 Herkunft und Name

Herkunft und Name gehören zum Wesentlichen, auch bei einer Schule. Anders als die berufsfeldorientierten Fachoberschulen an Oberstufenzentren ist die Kläre-Bloch-Schule, die lange zur Volkshochschule gehörte, eine Weiterbildungseinrichtung für verschiedene Berufsgruppen. Als selbstständige Fachoberschule (seit 2004 auch Berufsoberschule) mit drei Fachrichtungen, die den Studienrichtungen der Hochschulen/Fachhochschulen weitgehend entsprechen, ist sie einzigartig in Berlin und unseres Wissens auch in Deutschland.

Neben fachlicher Qualifikation und der Vermittlung humanitärer sowie demokratischer Werte soll den Schülerinnen und Schülern eine mitmenschliche Haltung vermittelt werden. Für sie steht unser Schulname. Kläre Bloch bewies als einfache Frau Mut in der Zeit des Nationalsozialismus. Sie hat unter Einsatz ihres Lebens Menschen gerettet. Werte wie Leben, Freiheit, Courage und Toleranz, die z. B. von Kant, Goethe, Schiller und Heine vertreten wurden, hatten für die Charlottenburgerin praktische Gültigkeit, während sie von vielen gebildeten Zeitgenossen verraten wurden.  Ihr Mut, aber auch ihre praktisch-zupackende, humorvolle und optimistische Lebenseinstellung sollen an unserer Schule Vorbild sein.

3.2 Bildungsgänge und Fachrichtungen

Die Kläre-Bloch-Schule bietet zwei studienbefähigende Bildungsgänge an: die Fachoberschule (FOS, Dauer zwei Jahre) mit dem Abschluss der allgemeinen Fachhochschulreife und die Berufsoberschule (BOS, Dauer drei Jahre) mit den Abschlüssen allgemeine bzw. fachgebundene Hochschulreife. Voraussetzungen für einen Schulbesuch sind der mittlere Schulabschluss sowie eine abgeschlossene Berufsausbildung bzw. eine fünfjährige einschlägige Berufstätigkeit. Die jeweilige Berufsausbildung bestimmt die Fachrichtung, in die die Schülerinnen und Schüler aufgenommen werden, und damit den fachlichen Schwerpunkt von vier bis sechs Semesterwochenstunden. Wer z. B. eine Ausbildung im Bereich Wirtschaft hat, vertieft dieses Wissen in den Fächern Wirtschaftswissenschaft und Rechtskunde. Den größten Teil der Ausbildung stellen jedoch die allgemeinbildenden Fächer Deutsch, Englisch, Mathematik, Sozialkunde sowie eine Naturwissenschaft (z. B. Biologie) dar.

Die allgemeine Fachhochschulreife berechtigt – unabhängig von der absolvierten Fachrichtung – zu einem Studium an allen Hochschulen/Fachhochschulen sowie in ausgewählten Studiengängen an Universitäten. Die allgemeine Hochschulreife (mit 2. Fremdsprache, an der Kläre-Bloch-Schule Spanisch) befähigt zum Studium aller Studiengänge an den Universitäten. Die fachgebundene Hochschulreife (ohne 2. Fremdsprache) berechtigt, je nach Richtung der Berufsausbildung, zum Studium ausgewählter Fächer an Universitäten.

Wer bereits die Fachhochschulreife erworben hat, kann direkt ins 13. Schuljahr der Berufsoberschule (BOS) einsteigen – an der Kläre-Bloch-Schule jedes Jahr im Januar – und dann nach drei Semestern die Abiturprüfung absolvieren.

 3.3 Schülerinnen und Schüler

Die Schülerinnen und Schüler der Kläre-Bloch-Schule kommen aus den unterschiedlichsten Berufen. Wenn sie sich bei uns bewerben, müssen sie bereit sein, an drei bzw. vier Abenden zur Schule zu gehen. Konkret heißt das für die meisten, einen langen Arbeitstag zu bewältigen, denn sie stehen in der Regel früh auf, haben häufig lange Anfahrtswege zur Arbeit, müssen am Spätnachmittag zur Schule fahren und abschließend wieder einen langen Heimweg antreten.

Von den ca. 500 Schülerinnen und Schülern sind ungefähr 60 % weiblich, 40 % männlich. Der Altersdurchschnitt beträgt 25 Jahre. Je nach Berufsfeld stehen ihnen drei Fachrichtungen zur Auswahl: Wirtschaft und Verwaltung, Technik sowie Sozialwesen. Um unseren Schülerinnen und Schülern eine bestmögliche Vereinbarkeit von Beruf, zum Teil Familienpflichten und dem Schulbesuch zu ermöglichen, bieten wir ihnen unterschiedliche Anfangszeiten an.

Was sind für unsere Schülerinnen und Schüler die wesentlichen Gründe, neben dem Beruf auch wieder zur Schule zu gehen und sich damit einer zwei- oder dreijährigen Stressphase auszusetzen? Am häufigsten wird der Wunsch nach einem anschließenden Studium geäußert. Andere erhoffen sich größere Aufstiegschancen durch die Zusatzqualifikation der Fachhochschulreife oder des Abiturs. Diese Entscheidung bedeutet für sie in der Regel eine Doppelbelastung; wenn sie bereits Familie haben, sogar eine Dreifachbelastung.

Von den Lehrerinnen und Lehrern ist deshalb Flexibilität gefordert: Sie müssen einerseits versuchen, an die unterschiedlichen Berufserfahrungen der Schülerinnen und Schüler anzuknüpfen und ihnen die Chance geben, viel von ihrem Vorwissen einzubringen. Andererseits gilt es, die Kräfte der Schülerinnen und Schüler nach einem langen Arbeitstag neu zu mobilisieren, vor allem, wenn es darum geht, ihnen neuen Stoff zu vermitteln. Soweit es geht, versuchen deshalb die Lehrerinnen und Lehrer Interesse und Motivation durch interessante Projekte, aktivierende Arbeitsweisen und Fragestellungen zu wecken. Da die Schülerinnen und Schüler jedoch nicht selten an die Grenzen ihrer Belastbarkeit stoßen, ist es in einem besonderen Maße die Aufgabe der Lehrkräfte, zum Durchhalten zu motivieren; dazu gehört auch, deren nicht seltenem Wunsch nach fertig ausgearbeiteten Materialien nicht nachzugeben, sondern eventueller Müdigkeit oder Passivität gerade durch eigenständiges Arbeiten entgegenzuwirken. Andere Schülerinnen und Schüler wiederum sind selbstbewusst und durch ihre Berufstätigkeit daran gewöhnt, selbstständig und eigenverantwortlich zu arbeiten; ein partnerschaftlich-kooperativer Unterrichtsstil entspricht auch hier am besten den berechtigten Erwartungen der Schülerinnen und Schüler.

Obwohl es den Schülerinnen und Schülern aufgrund ihrer hohen Belastung nicht leicht fällt, zusätzliche Termine z. B. als Schülersprecher auf Konferenzen wahrzunehmen oder Aufgaben in der Schülerselbstverwaltung zu übernehmen, gibt es immer Einzelne oder Gruppen, die sich mit Diskussionen, Kritik und Vorschlägen für die Verbesserung des Angebots der Schule engagieren. In der Regel sind es die Klassensprecherinnen und Klassensprecher, die den jährlich stattfindenden Abschlussball der Schule organisieren. Auf den Informationsveranstaltungen der Schule sind sie eingeladen, ihre Erfahrungen weiterzugeben und für die aktive Mitarbeit durch Schülerinnen und Schüler zu werben.

3.4 Schulorganisation, Kollegium, Steuergruppe, Leitung

Als kleine Schule, in der alle Kolleginnen und Kollegen ständig persönlich in Kontakt stehen, können wir den Grundsatz „so wenig Bürokratie wie möglich, so viel wie zum Funktionieren nötig" umsetzen.

Maßstab ist die Situation des berufstätigen Erwachsenen. Ihm dient auch der variable Unterrichtsbeginn. Die Schülerinnen und Schüler der Fachoberschule können sich eine Klasse wählen, deren Unterrichtstage und –zeit mit ihren Berufsarbeitszeiten gut verträglich ist. Der Unterricht verteilt sich auf drei bzw. vier Abende (Beginn: 17.00, 17.45 oder 18.35 Uhr). In der Berufsoberschule ist die Wahlmöglichkeit aufgrund der relativ hohen Stundenzahl pro Woche gering, der Unterricht beginnt um 17.00 Uhr und verteilt sich auf vier Abende in der Woche. Für alle Klassen endet der Unterricht spätestens um 21.45 Uhr.

Die Steuergruppe initiiert und diskutiert die Entwicklungsschwerpunkte der Schule. Sie plant und koordiniert die Evaluationsmaßnahmen und trägt Ergebnisse und Vorschläge in die Gremien. In der Steuergruppe arbeiten Lehrerinnen und Lehrer aus allen Fachbereichen und die Schulleitung zusammen. 

Die Fachbereichsleiterinnen bzw. Fachleiterinnen sind neben der fachlichen Arbeit für einen Teil der Schulleitungsaufgaben zuständig und vertreten die Schulleiterin, wenn diese verhindert ist. Zusammen mit dem Sekretariat bilden sie die Schulleitung.